BAMBERG-GUIDE schreibt über das Marionettentheater Loose
(gefunden unter www.bamberg-guide.de im November 2003)
Die perfekte Inszenierung

Das Bamberger Marionettentheater entführt sein Publikum in eine Zeit, als deutsches Theater noch ganz groß war 

Prinzipal Klaus Loose

TheaterschildKlaus Looses Marionettentheater ist nicht einfach nur ein Theater, vom ersten Schritt über die Schwelle seines Hauses bis zum Schluss bietet der Theatermacher, der sich selbst gern als Prinzipal bezeichnet, seinem Publikum eine perfekte Inszenierung. Auf einer Bühne mit der Größe eines komfortablen Fernsehers wird kleines Theater ganz groß, denn Deutschlands einzige historische Marionettenbühne überzeugt mit einem beeindruckenden Repertoire: Hier werden Barockschauspiele wie "Dr. Faust" oder "Genoveva" in Miniaturform aufgeführt. Romantische Zaubermärchen für Erwachsene wie "Prinz Rosenrot und Prinzessin Lilienweiß" gehören genauso zum Spielplan wie die große Mozartoper "Die Zauberflöte". Und schnell vergisst der Zuschauer, dass er sich in einem Marionettentheater befindet und taucht in die Welt der Klassik und Romantik ein. 
 
 

Das Schauspiel beginnt bereits im Foyer 

Wer nicht weiß, was sich im Inneren des eher unscheinbaren Palais "Staubsches Haus" in der Unteren Sandstraße 30 verbirgt, würde wohl kaum vor der 1796 errichteten ehemaligen Tabakfabrik halt machen. Doch ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich: Im ersten Obergeschoß lebt das Ehepaar Loose. Die Wohnung, die auch als Theater dient, gleicht einem Museum, denn der Prinzipal ist der Meinung, die Inszenierung beginne bereits im Foyer. Dem Auge des Betrachters eröffnet sich eine skurrile Mischung aus Möbelantiquitäten und genauestens geordneten Theaterrequisiten, der bereits die Zeitschrift "Schöner Wohnen" einen ausführlichen Artikel widmete. Die Wände des langen Flurs sind mit Spalieren und Blumenranken verziert, zur Linken erstrecken sich auf nur 45 Quadratmetern Werkstatt, Technikraum und schließlich der Theatersaal. Der Raum, indem nur 25 Zuschauer Platz finden, ist mit handbedruckten Tapeten von 1820 ausgeschlagen und mit seiner Sammlung historischer Miniaturtheater selbst ein kleines Museum. Abgerundet wird das ganz besondere Flair dieser Wohnung durch das Hobby des Prinzipals: Seine Leidenschaft neben dem Theater gilt der Modelleisenbahn. Einen ganzen Raum nimmt das mit viel Liebe errichtete Schienennetz in Miniaturform inzwischen ein, stolz führt der 75-Jährige seine neueste Erwerbung - einen antiken Postwaggon - vor. 

Theater sehen wie Goethe und E.T.A. Hoffmann 

Mittelpunkt des Schauspielhauses ist jedoch Deutschlands einzige historische Mario-nettenbühne, die aus dem Jahre 1821 stammt. Loose entdeckte den Guckkasten einst zufällig in einem Berliner Kunsthandel und restaurierte ihn eigenhändig. Die architektonische Schönheit und der historische Wert dieses Unikats haben ihn praktisch dazu gezwungen, die Bühne mit dem Leben ihrer Entstehungszeit zu füllen, erzählt er. Und so sei er einfach in die Theatergründung hineingeschlittert. Das ist nun schon 40 Jahre her, seit 1986 gibt das Schauspielhaus Aufführungen in Bamberg. "Theater so sehen, wie Goethe und E.T.A. Hoffmann es zu Lebzeiten gesehen haben" lautet das Anliegen Looses, der sich selbst als "Knecht des Autors" sieht. So ist es nicht verwunderlich, dass das Repertoire des Theaters aus Schauspielen und Opern der Klassik und Romantik besteht und biblische Themen Bestandteil des Spielplans sind. Die sorgsam angefertigten Puppen - selbst historische Sammlerstücke - sind nur 17 Zentimeter groß, doch bei "Der Sandmann" oder "Der Freischütz" erwachen sie zum Leben. "Das Geheimnis der perspektivisch perfekten Kulisse liegt jedoch in der Beleuchtung, die genau wie bei einem großem Theater ist", erklärt Loose. Kein Wunder, dass er empört über einen Vergleich mit dem modernen Puppenspiel ist. Für das Marionettentheater begeistert er sich schließlich schon seit er neun Jahre alt ist und diese Faszination hat ihn bis heute nicht losgelassen: "Alles begann mit einer Familienvorstellung bei meinem Onkel Erwin, er spielte uns "Die Prinzessin und der Schweinehirt" vor, den Text kenne ich heute noch auswendig." Ganz bewusst inszeniert der 75-Jährige deshalb verkleinertes menschliches Theater für Erwachsene. 

40 Jahre Don Juan 

Doch hinter einer solchen Aufführung steckt harte Arbeit Der Stamm ist klein, neben einer Theatermalerin, beschäftigt Loose rund zehn Spieler sowie drei Techniker. Die Proben zu den Stücken erfordern höchste Konzentration. Nach der Auswahl eines Schauspiels, ist zunächst das E.T.A.-Hoffmann-Theater gefordert. Hier wird eine CD mit Dialogen, Geräuschen und Musik unter Regie des Intendanten Rainer Lewandowski, hergestellt. Erst dann fangen die eigentlichen Proben im Marionettentheater an. Unter der Leitung von Loose, bringen die "Fadenzieher" die Puppen zu grazilen Bewegungen. Historische Bühnenbilder werden ausgewählt oder - wenn der Fundus nicht ausreicht - in der eigenen Werkstatt nachgebildet. Dieses alte Handwerk hat der Theatermacher von seinem langjährigen Freund, dem ehemaligen Ausstattungschef der Deutschen Berliner Oper, Wilhelm Reinking gelernt. Seine Frau - ein echtes Theaterkind - kümmert sich um Maske, Kostüme und Ausleuchtung. "So eine Probe dauert oftmals ein ganzes Jahr", erzählt der Prinzipal. Doch Vorteil des kleinen Repertoiretheaters sei, dass kein Produktionszwang herrsche. Die Stücke werden immer wieder gespielt, der "Don Juan" beispielsweise schon seit 40 Jahren. Und das Repertoire wächst und wächst. 

Ein einmaliges Theatererlebnis 

Für die Zukunft möchte sich der Loose einen ganz besonderen Traum erfüllen. Mit Hilfe einer größeren Bühne, die ebenfalls aus einem historischen Fundus stammt, möchte er sein Kleinod erweitern. 

Ein Stockwerk über seinem jetzigen Zuhause soll einer neuer Theatersaal entstehen, rund 60 Besucher könnten dann einer Aufführung beiwohnen. Von einem wahren Kulturtourismus zur Bamberger Marionettenbühne, träumt der vitale 75-Jährige. Doch auch im kleinen Rahmen ist das Theater der Looses mit Sicherheit einen Besuch wert. Denn die Magie dieses Ortes und die Mischung aus Begeisterung und Besessenheit seiner Macher, lässt den Zuschauer für Stunden in die längst vergangene Theaterwelt der Klassik und Romantik eintauchen, wie sie heute auf kaum noch einer Bühne existiert. 

Sie erreichen das Marionettentheater unter: 

Staubsches Haus
Untere Sandstraße 30
96049 Bamberg
Tel.: 0951/67600
Termine und Platzreservierungen
www.bamberger-marionettentheater.de

Und natürlich können Sie auch Gutscheine verschenken, ein Gutschein für eine Reise in eine kleine, alte Welt voller Geheimnisse und Fabelwesen für jung und alt...
 


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