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FRÄNKISCHER
TAG, FREITAG, 5.DEZEMBER 2008 /A
Erste Premiere nach der Ära Loose
PUPPENSPIEL
Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“
fand im Bamberger Marionettentheater begeisterten Zuspruch.
Für die Inszenierung zeichnete Irene Leiter verantwortlich.
Bamberg — Manche Märchen werden wahr. Jetzt, wo die
Ära
Klaus Loose seit drei Jahren vorbei ist, ist das Marionettentheater im
Staubschen Haus in der Unteren Sandstraße lebendiger denn je.
Passend zur Weihnachtszeit hatten sich Renate
Nötling & Co. Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“
vorgenommen. Mit der Märchenoper ging nun also die erste nicht
vom
etwas steifen Prinzipal verantwortete Premiere über die
womöglich kleinste Bühne im Freistaat.
Viel Liebe zum
Detail
Aber was heißt schon klein? Den knapp 30
Zuschauern wird hier durchaus großes Theater geboten.
Man glaubt sich in einem veritablen Opernhaus, kaum dass die
Hörner des von Karajan geleiteten London Philharmonic die
spätromantische Ouvertüre
anstimmen.
Hänsel und Gretel sind unterwegs im Zauberhexenwald,
das erste von Rüdiger Mühlnickel gestaltete
Bühnenbild
kehrt später wieder. So wird Augen und Ohren auch bei den
Zwischenaktmusiken etwas geboten.
Mit unglaublicher Liebe zum Detail haben Bernhard und Irene Leiter (sie
spielte auch) die Marionetten angefertigt. Die Besen und Töpfe
im Besenbinderhaus,
die Kostüme, das Lebkuchenhaus der Knusperhexe
einschließlich Feuerofen (die oft
spektakulären Licht-
effekte besorgte Monika Einwag), alles war stimmig und schaffte eine
dichte Atmosphäre.
„Ach Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh“ ist
ebenso volkstümlich geworden wie der
„Abendsegen“ und, man erinnert sich, „Ein
Männlein steht imWalde“. Zu den
spielerischen
Glanznummern zählen der ausgelassene Tanz von Hänsel
und
Gretel in der Stube gleich zu Beginn, dann das Erscheinen der 14 Engel,
schließlich der wilde Hexenritt (Nötling zieht hier
die
Fäden).
Am Ende dann langer Applaus nicht nur für Irene Leiter, die
inszenierte. Denn man braucht ja auch Leute, die spielen.
Neben Nötling und Einwag agierte noch Thomas Schubert.
Eine neue Ära ist eröffnet, die Premiere war
gelungen. „Wir freuen uns, dass das so schön
weitergeht“, lautete der spontane Einwurf einer Dame, die
stellvertretend für das begeisterte Publikum sprach.
Vor der kleinen Premierenfeier im Salon dankte Nötling noch
Eckhard Wiltsch, dem aus Bayreuth angereisten
Geschäftsführer
der Oberfrankenstiftung.
Ohne deren Unterstützung würde es viele
Stücke nicht
geben. In Anlehnung an die Oper hat das Team um Nötling und
Leiter
auch eine Fassung als Märchenspiel (nicht nur) für
Kinder
erarbeitet.
Im aktuellen Repertoire finden sich zudem „Die Prinzessin und der
Schweinehirt“, Mozarts „Zauberflöte“,
„Don Juan“
sowie „Prinz
Rosenrot und Prinzessin Lilienweiß“.
Das Marionettentheater ist lebendiger denn je.
von unserem Mitarbeiter Jürgen Grässer
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