Von Hanna Spengler
Bamberg - Wagners Opern
stehen für Pomp und Größe. Bei der Premiere des
"Fliegenden Holländers" im Bamberger Marionetten-Theater Loose
wurden jedoch nur zwei Puppenspieler und ein Beleuchter benötigt,
um Richard Wagners Meister- werk und dessen mannigfaltiges
Bühnenpersonal lebendig werden zu lassen. Eine mit bemerkenswerter
Liebe und Hingabe inszenierte Wagneroper, deren künstlerisch-
ästhetische Umsetzung sowie dramaturgische Tatkraft der
musikalischen Opulenz des Dramas in keiner Weise nachstehen. Die
Präzision und die Detailliebe, mit der die historischen
Kostüme und das imposante Bühnenbild gestaltet wurden,
zeigten sich den satten und mächtigen Klängen des
Großmeisters Wagner adäquat.
Die Musik, die das Spiel der Marionetten begleitete, kam dabei vom
Band. Die nahezu meditative, weil für unseres modernes Ohr
ungewöhnlich lang erscheinende Ouvertüre, so
Kostümbildnerin Doris Loose, sei wichtig, damit die Zuschauer die
Schnelllebigkeit des Alltags hinter sich lassen und besser zu sich und
in die Theaterwelt finden könne. Auch die nach historischem
Vorbild angefertigten Kostüme und die Ausstattung entführen
den Zuschauer zeitlich in einen anderen Kosmos.
Während vorn auf der Bühne der stimmgewaltige Holländer
die Senta betört, geben sich hinter der Bühne in
eingespielter Routine zwei Puppenspieler und ein Beleuchter die
Fäden in die Hand. Mal erscheint begleitet von pompösen
Klängen am Horizont ein mächtiges Schiff, flackert
gespenstisch auf und taucht die Bühne in gleißendes,
geheimnisvoll schimmerndes Licht.
Die kleine Bühne des Marionettentheaters erhält durch die
Lichtregie beein- druckende Tiefe. Für den Holländer musste
eigens eine Versenkungsmaschine konstruiert werden, um den
spektakulären Untergang des Holländer-Schiffs im
Finale darstellen zu können. Ein andermal verwandelt sich die
Bühne in eine Spinnstube, in der mit geschickter Marionettenhand
anmutig das Spinnrad gedreht wird und sechs bezaubernde Damen mit
Spitzenhäubchen ihre Stimmen zum Chorgesang erheben.