Fränkischer Tag, 13. April 1989

 "Prinz Rosenrot und Prinzessin Lilienweiß"

Pocci-Produktion der Bamberger Loose-Bühne

Das Bamberger Marionetten-Theater Loose hat sein Repertoire erweitert. Neben dem Spiel von Doctor Faust ist jetzt auch das romantische Zauberspiel "Prinz Rosenrot und Prinzessin Lilienweiß oder Die bezauberte Lilie" zu sehen, das in der Sandstraße Premiere hatte.
Im Gegensatz zum barocken Volksschauspiel von Faust ist "Die bezauberte Lilie" ein zartes, diffiziles Stück der Spätromantik, verträumt und oft wie hingehaucht - doch mit verschmitztem, bisweilen ausgelassenem Humor, für den schon die Figur des Kasperls Larifari bürgt.
Geschrieben wurde das Stück 1858 von dem bayerischen Hofbeamten und Schriftsteller Franz Graf Pocci zur Gründung des heute noch bestehenden Münchner Marionettentheaters.
Ein Stück um Liebe und Treue, Zauberei und Arglist. Prinz Rosenrot sucht schon seit einem Jahr die Dame seines Herzens, Prinzessin Lilienweiß, die der böse Zauberer Necromanticus - zusammen mit anderen Fräulein - als eine Lilie verwandelt in seinem Garten gefangenhält.
Prinz Rosenrot und sein fauler Knappe Kasperl erleben viel Ungewöhnliches; die Fee Liebinniglich zeigt ihnen den Weg zum Zaubergarten, ein schrecklicher Bär entpuppt sich als verzauberter Ritter, der sich ihnen bieder anschließt, ein laut über sein Schicksal lamentierender Drache wird von Prinz Rosenrot besiegt und darf wieder wie in seiner Jugend glücklich als Papierdrache durch die Lüfte gaukeln.
Endlich ist das Zaubermittel erkämpft, und die Damen können erlöst werden. Eine Schluss-Apotheose zeigt Prinz Rosenrot und Prinzessin Lilienweiß auf dem Gang zu ihrem Hochzeitsfest.
Schon diese kurze Darstellung des figuren- und handlungsreichen Stücks zeigt deutlich den Einfluss des sogenannten Wiener Stils, wie er in den Stücken von Nestroy und vor allem Raimund vorgeprägt ist.
Das Leichte, Schwebende der "zauberischen" Handlung, die in der Spätromantik wurzelt, hebt sich durch biedermeierlichen Humor und hintergründige Verspottung romantischer Versatz-Stücke zu einem herzlich-herzhaften und - im Wortsinn - reizenden Marionettenspiel für Erwachsene.
Die Texte wurden von Schauspielerinnen und Schauspielern des Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theaters und des Ostwürttembergischen Theaters Aalen gesprochen.
Die Melodien und Begleitungen der "Couplets" wurden von Jan Burdinski erarbeitet.
Die Einstudierung wie die oft schwer zu lösenden technischen Verwandlungstricks besorgte Klaus Loose.
Die tontechnischen Probleme waren von Thomas Krause bestens gelöst.
Bei der Fülle von Mitwirkenden an diesem aufwendigen Zauberspiel können unmöglich die Leistungen einzelner gewürdigt werden.
Hervorzuheben ist der besondere Reiz der "kleinsten Bühne Bayerns", die fast schwerelose Eleganz der Marionetten, die scheinbar endlose Tiefe der Minibühne.
Die Ausstattung ist historisch; einige Figuren und auch die Bühne sind teilweise älter als das gespielte Stück. Der Dank der Zuschauer muss allen Mitwirkenden gelten; es gab keine Brüche und keine Pannen - das Zauberspiel lief mühelos und kurzweilig über die Bühne.

Rainer Ament

 
Rosenrot

 
Übersicht
über die
Pressestimmen
Hauptübersicht
Bamberger Marionettentheater
Der Prinzipal im 
"Who is Who"
Termine
Reservierungen
Das Kulturereignis in Bamberg