Nordbayerischer Kurier, 27. Oktober 1999

Der Sandmann

Dramatisierte Hoffmann-Novelle im Puppentheater Loose uraufgeführt

Während große Bühnen darauf aus sind, die Ausstattung budgetfreundlich und künstlerisch wertvoll zu reduzieren bis wegzulassen, feiert in Looses Nah-Seher das Ausstattungstheater fröhliche und künstlerisch nicht minder wertvolle Urständ'. Es wird dort Theater gemacht wie vor 170 Jahren, als E. T. A. Hoffmann seine düsteren Geistergeschichten vollendet hatte und der Wiener Bühnenbildner Theodor Jachimowicz seine "Vorlagen für Theatermaler" schuf. Solche Vorlagen wurden zum Teil originalgetreu ins Liliputformat übertragen, zum Teil aber auch nur adaptiert, um Klaus Looses eigene Fantasie zu beflügeln. So findet das Publikum sich beispielsweise in einem alchimistischen Labor wieder, das in Bamberg erdacht wurde und wo das Unglück seinen Anfang nimmt:
Ein mysteriöser Knall setzt dem Leben des experimentierfreudigen Vaters vom kleinen Nathanael ein jähes Ende.
...
Die bekannte Geschichte gipfelt in Nathanaels amouröser Begegnung mit der mechanischen Puppe Olimpia. Rainer Lewandowski, Intendant des Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theaters, dramatisierte die Novelle "Der Sandmann" für das Marionettentheater. Lewandowski führte auch Regie. Das Ergebnis ist eine aufregende Produktion mit verblüffenden Schau-Effekten.

Nach zweistündiger Aufführung (mit Pause) gab es überaus herzlichen Beifall für den Prinzipal und die im Verborgenen gewirkt habenden Akteure.

Gero von Billerbeck. RNT

 
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