Fränkischer Tag, 6. Oktober 1995
Undine
"Du bist und bleibst ein Kind der Welle!"
Kontrapunkt zum großen Haus:
"Undine" als Marionettenspiel auf Klaus Looses Bamberger
Bühne
Das Marionettenspiel "Undine" sieht Prinzipal Klaus Loose als "unseren
Beitrag zur Veranstaltungsreihe des E.T.A.-Hoffmann-Theaters zum 220. Geburtstag
seines Namensgebers" und gleichzeitig als einen "Kontrapunkt" zur dortigen
Produktion der Oper von Baron de la Motte-Fouqué mit der Musik Hoffmanns.
Was Loose auf seiner "Kleinsten Bühne Bayerns" darbot, war denn
auch etwas völlig anderes: Es war die Wiederaufnahme eines Stückes,
das sein Marionettentheater vor der Übersiedlung nach Bamberg schon
Mitte 1971 in seinem damals noch in Oldenburg beheimateten Theater uraufführte.
Die Textgrundlage ist, wie im Theater am Schillerplatz, das Zauber-
und Nixenmärchen von de la Motte-Fouqué, wenn auch unter der
sachten Bearbeitung durch Gerlinde Herzer, die noch ein weiteres Stück
eines anonymen Puppenspielers in die Gesamtproduktion einfließen
ließ.
"Kontrapunktisches" sieht Loose darin, dass auf der einen Seite Marionetten,
auf der anderen Menschen die Agierenden sind, zum anderen zeichnet sich
dies Stück durch die Einführung der lustigen Figur, des "Kasperls
Larifari" aus, dem lustig-verfressenen und versoffenen Knappen der Hauptfigur
Huldbrand von Ringstetten, und besonders im versöhnlichen Schluss
des Spiels. Während Fouqué / Hoffmanns Oper mit dem Liebestod
Undines endet, wird im Marionettenspiel eine vom "Ensemble Loose" grandios
ausgeklügelte Schlussapotheose gezeigt: des wortbrüchig-schuldigen
Huldbrands demütige Worte: ,.Nimm mich hinunter in dein kühles
Reich!", werden vom Herrscher des Nixenvolks, Kühleborn, dessen Nichte
Undine ist, huldreich aufgenommen; er findet seinen Tod nicht in den Wellen,
sondern darf im Kristallpalast des Königs, auf dem Meeresgrund, mit
Undine leben.
Bravourstücke waren die Nonsens-Lieder Kasperls, die mit zauberhafter
Sopran-Stimme vorgetragenen Weisen der Undine und die lieblichen "Nixenduette",
manchmal spöttisch, manchmal eifersüchtig auf ihre Gespielin
Undine, wie überhaupt die ganze Bühnen- und Umbaumusik von Rudi
Meyer-Bohlen und Franz Müksch.
Die hervorragende Beleuchtungstechnik und die Stimme, die Klaus Loose
(wie immer) Kasperl lieh, waren durch das "gekonnte Bähmisch" einzigartig.
Alles in allem: Ein mehr als gelungener Abend; nicht zu vergessen die
Marionetten-Figurenführerinnen des Theaters, die (wie immer) ihr bestes
gaben. zumal es für sie ja keine Wiederaufnahme, sondern doch wohl
ein hartes Stück Arbeit war.
Rainer Ament